In der Typografie kommen häufig Fachbegriffe vor, die auf den ersten Blick kaum mit Schrift in Verbindung gebracht werden. Die Herkunft dieser Wörter kann spannend sein: Wir erklären, wo Schusterjungen herkommen, was eine Brotschrift ist und warum Ligaturen für eine hervorragende Verbindung zwischen Buchstaben sorgen.


Als "Brotschrift" wird heute der Fließtext bezeichnet. Für die Bleisetzer früherer Zeiten bedeutete er bares Geld: Sie verdienten vor allem mit den großen Textmengen ihr Brot. Daher kommt auch der Name "Brotschrift".

Die "Dickte" sorgt manchmal für Verwirrung: Tatsächlich ist nicht die "Dichte" gemeint, sondern die "Dickte" mit "k". So bezeichnet man die Breite eines Buchstabens mit Vor- und Nachbreite. Der Begriff stammt noch aus dem Bleisatz.

Beim Begriff "Durchschuss" handelt es sich um einen zusätzlichen Abstand zwischen zwei Zeilen. Der Text wird quasi von einer Leerzeile "durchschossen" um eine Gliederung zu erreichen.

Beim "Flattersatz" schließen die Zeilen im Gegensatz zum Blocksatz nicht bündig ab, sondern der Text "flattert" am rechten Rand je nach Wortlänge.

Bei einer "Fraktur" in der Typografie handelt es sich um einen bestimmten Schrifttypus. Frakturschriften zählen zur Klasse der gebrochenen Schriften.

Wenn mehrere Buchstaben zu einem einzigen Zeichen verschmelzen, spricht man von einer "Ligatur". Der Begriff ist vom lateinischen Verb "ligare" für "verbinden" entlehnt. Manche Ligaturen, wie das "&", das ursprünglich aus den Einzelbuchstaben "e" und "t" für lateinisch "et" = "und" bestand, haben sich zu einem eigenständigen Zeichen entwickelt.

Marginalien "Zum Rand gehörend" bedeutet der lateinische Begriff "marginalis" übersetzt. Damit ist schon die wichtigste Funktion der "Marginalien" erklärt: Sie dienen dem Korrigieren und Kommentieren von Buchseiten oder Manuskripten und stehen am Rand.

Die nichtdruckenden Innenteile eines Buchstabens werden als "Punze" bezeichnet. Der Name stammt von den Werkzeugen ab, mit denen früher die Innenräume hergestellt wurden. Beispiele sind "a", "o" oder "d".

Ein "Schusterjunge", manchmal auch "Waisenkind" genannt, ist die erste Zeile eines neuen Absatzes, die als letzte Zeile am Ende einer Seite oder Spalte steht.

Als "Hurenkind" bezeichnet man das Gegenteil: nämlich die letzte Zeile eines Absatzes, die am Anfang einer neuen Seite oder Spalte steht. Beides sollte im Layout vermieden werden.

Aus dem Französischen entlehnt ist der Begriff "Serife": Dort steht er für das Wort "Füßchen". Dementsprechend bezeichnet man eine Schrift mit "Füßchen", also Linien, die einen Buchstaben quer zur Grundrichtung abschließen, als Serifenschrift.